Kurze Geschichte der Sagrada Família

Die Sagrada Família im Herzen Barcelonas wurde vom berühmten Architekten Antoni Gaudí entworfen und zählt – obwohl unvollendet – zu den Meisterwerken des katalanischen Modernismus. Heute ist sie eines der meistbesuchten Denkmäler des Landes und empfängt jedes Jahr rund 4,5 Millionen Besucher. Möchtest du die faszinierende Geschichte der Sagrada Família kennenlernen? Dann lies weiter!

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Geschichte der Sagrada Família
Der Jesusturm wird am 10. Juni 2026 eingeweiht. Die vollständige Fertigstellung des Tempels ist für 2033–2035 vorgesehen.

Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge des Projekts

Die Idee, eine der Heiligen Familie gewidmete Kirche zu errichten, entstand um 1866, als sich eine Gruppe barceloneser Katholiken zu einer Vereinigung zusammenschloss, um dieses ehrgeizige Vorhaben umzusetzen. Der ursprüngliche Plan sah einen Tempel im neugotischen Stil vor, inspiriert von der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Nachdem die nötigen Mittel gesammelt waren, wurde der Auftrag 1882 an den Architekten Francisco de Paula del Villar vergeben.

Doch nach vielen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten beschloss man rasch, den ursprünglichen Entwurf zu ändern und auf einen moderneren Stil zu setzen. Im selben Jahr wurde der Standort des Gebäudes in der Carrer de Mallorca festgelegt und mit dem Bau begonnen. Die Arbeiten kamen zunächst zügig voran, doch 1883 musste der Bau wegen finanzieller Schwierigkeiten unterbrochen werden – ein Problem, das sich durch die gesamte Geschichte der Sagrada Família ziehen sollte.

Glücklicherweise ermöglichte 1884 eine bedeutende Spende einer wohlhabenden Familie aus Barcelona die Wiederaufnahme der Bauarbeiten. Von diesem Moment an wurde die Sagrada Família zu einem der ehrgeizigsten und umstrittensten Projekte der spanischen Architekturgeschichte.

Der Einstieg von Antoni Gaudí

1883 legte der Architekt Francisco de Paula del Villar das Projekt der Sagrada Família wegen Differenzen mit dem Gründer der Vereinigung, Josep Maria Bocabella, nieder. Bocabella wurde vom berühmten Architekten Joan Martorell beraten und dachte an ihn als Nachfolger. Die Geschichte der Sagrada Família hätte ganz anders verlaufen können, doch Martorell lehnte ab und das Projekt wurde einem jungen Architekten aus Reus angeboten, der damals knapp über 30 Jahre alt war: Antoni Gaudí.

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Gaudí war jedoch bereits für seinen innovativen Stil und sein Interesse an einer naturinspirierten, organischen Architektur bekannt. Sein Einfluss auf den Entwurf der Sagrada Família war entscheidend und ist in jedem Detail des Gebäudes erkennbar. In den ersten Jahren seiner Arbeit an der Sagrada Família kombinierte Gaudí dieses Projekt mit anderen Aufträgen, doch ab 1914 widmete er sich ausschließlich dem Bau der Kirche.

Gaudí arbeitete mehr als 40 Jahre lang an der Sagrada Família, bis zu seinem Tod im Jahr 1926. In dieser Zeit nahm er zahlreiche Änderungen am ursprünglichen Entwurf und an den Folgeentwürfen vor und integrierte Elemente, die von der Natur und der katholischen Symbolik inspiriert waren. Während seines Lebens wurden einige der wichtigsten Teile des Tempels fertiggestellt, darunter die Krypta, die Apsis und die Geburtsfassade. Er erlebte jedoch nicht mehr die Fertigstellung aller Türme, die er für diese Fassade entworfen hatte – nur einer von ihnen, der Turm des heiligen Barnabas, wurde zu seinen Lebzeiten vollendet.

Die Nachfolger Gaudís

Seit dem Tod Antoni Gaudís im Jahr 1926 wird die Sagrada Família unter der Leitung verschiedener Architekten weitergebaut. Zu ihnen zählen Domingo Sugrañes, Francesc Quintana, Isidre Puig i Boada, Lluís Bonet i Garí, Francesc Cardoner, Jordi Bonet i Armengol und Jordi Faulí i Oller.

Domingo Sugrañes übernahm das Projekt als Erster nach Gaudís Tod. Er arbeitete von 1926 bis 1936 an der Sagrada Família, also während des Spanischen Bürgerkriegs. Trotz der Schwierigkeiten jener Zeit gelang es Sugrañes, die Geburtsfassade fertigzustellen.

Francesc Quintana übernahm die Bauleitung nach dem Tod Domingo Sugrañes‘ im Jahr 1938. Zu seinen ersten Aufgaben gehörten die Restaurierung der im Bürgerkrieg beschädigten Krypta sowie der Modelle, die Gaudí für die Weiterführung des Baus hinterlassen hatte. Quintana war außerdem für die Passionsfassade verantwortlich, deren Bau 1956 begann.

1966 übernahm Isidre Puig i Boada das Ruder von Quintana und arbeitete weiter an der Passionsfassade. Puig i Boada wurde 1974 von Lluís Bonet i Garí abgelöst, der sich ebenfalls vor allem dieser Fassade widmete.

Francesc Cardoner übernahm die Bauleitung für einen kurzen Zeitraum (1983–1985), bevor Jordi Bonet i Armengol die Aufgabe übernahm. Bonet i Armengol sanierte das Gebäude der Schulen und führte zahlreiche technologische Innovationen in den Bau der Sagrada Família ein.

2012 übernahm das Team unter Leitung von Jordi Faulí i Oller die Bauleitung und schreibt damit möglicherweise die letzten Kapitel der Baugeschichte der Sagrada Família. Faulí i Oller stellte die Passionsfassade fertig und arbeitet an den neuesten Türmen des Tempels.

Ursprünglich sollte der Bau im Jahr 2026 abgeschlossen sein, pünktlich zum hundertsten Todestag Gaudís. Die vollständige Fertigstellung wird nicht gelingen, doch 2026 wird dennoch ein historisches Jahr: Am 10. Juni wird der Jesusturm eingeweiht – in einer Zeremonie unter Vorsitz von Papst Leo XIV., dessen apostolischer Besuch in Barcelona genau mit dem hundertsten Todestag Gaudís zusammenfällt.

Für die vollständige Fertigstellung der Arbeiten einschließlich der Glorienfassade peilt die Junta Constructora den Zeitraum 2033–2035 an.

Chronologie der Sagrada Família

Die Geschichte der Sagrada Família ist von wichtigen Daten geprägt. Zu den bedeutendsten Jahren zählen:

  • 1882: Beginn des Projekts. Francisco de Paula del Villar y Lozano wird als Architekt ausgewählt.
  • 1883: Antoni Gaudí übernimmt die Bauleitung, nachdem Villar y Lozano zurückgetreten ist.
  • 1885: Die Josephs­kapelle in der Krypta wird eingeweiht und die ersten Messen werden gefeiert.
  • 1914: Gaudí widmet sich ausschließlich der Sagrada Família.
  • 1926: Gaudí stirbt in Barcelona und hinterlässt das Projekt unvollendet.
  • 1930: Alle Türme der Geburtsfassade werden fertiggestellt.
  • 1936: Die Sagrada Família erleidet im Spanischen Bürgerkrieg schwere Vandalismusschäden.
  • 1976: Alle Türme der Passionsfassade werden fertiggestellt.
  • 1986: Josep Maria Subirachs schafft die Skulpturengruppen der Passionsfassade.
  • 2018: Das Kreuz wird auf dem Giebel der Passionsfassade angebracht und die Fassade für abgeschlossen erklärt.
  • 2020: Zwischen März und Oktober werden die Arbeiten wegen COVID-19 unterbrochen.
  • 2021: Der Stern wird auf dem Marienturm angebracht und der Turm für vollendet erklärt.
  • 2026: Am 10. Juni wird der Jesusturm offiziell in einer von Papst Leo XIV. geleiteten Zeremonie eingeweiht – zeitgleich mit dem hundertsten Todestag Antoni Gaudís. Erster Papstbesuch in Barcelona seit 15 Jahren.
  • 2036: Laut der Junta Constructora das voraussichtliche Datum für die Fertigstellung der Glorienfassade und damit des gesamten Tempels, wobei sich die dekorativen und bildhauerischen Arbeiten darüber hinaus verzögern könnten.